Edward Snowden wirkt gut gelaunt. Im hellblauen Hemd und schwarzem Anzug sitzt er am üppig gedeckten Tisch und plaudert mit den Anwesenden. So locker die Atmosphäre jedoch wirkt: Das Thema, um das es geht, ist ernst.
Im ersten Video, das seit Snowdens Flucht nach Russland veröffentlicht wurde, warnt der Whistleblower vor Staatsspionage. Die kurze Aufnahme wurde in der Nacht auf Samstag via Wikileaks verbreitet.
Preis für Snowden
Snowden spricht zu einer Gruppe von vier ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeitern, die ihm am Donnerstag den «Sam Adams Award» verliehen hatten.
Die Staatsspionage stelle wie «eine Art riesiges Netz ganze Bevölkerungen unter Überwachung». Auf der ganzen Welt werde den Menschen inzwischen klar, dass Geheimdienstprogramme «uns nicht mehr Sicherheit geben, sie schwächen unsere Wirtschaft, unsere Länder, sie beschränken unsere Freiheit zu reden, zu denken, zu leben und kreativ zu sein, Beziehungen zu haben», sagt Snowden weiter.
Asyl für ein Jahr
Snowden hatte im Juni damit begonnen, den Zeitungen «Washington Post» und «Guardian» Informationen über umfangreiche Überwachungsprogramme zuzuspielen, mit denen die NSA und andere Geheimdienste massenhaft Telefonate und E-Mails überwachen. Wegen der Enthüllungen wird der 30-Jährige von den USA per Haftbefehl gesucht.
Der Informatiker hatte sich zunächst nach Hongkong abgesetzt und war dann mit einem ungültigen Reisepass nach Moskau geflogen. Dort sass er wochenlang im Transitbereich des Flughafens fest, bevor ihm Russlands Regierung im August für ein Jahr Asyl gewährte. (SDA/lha)